Schülerinnen schreiben philosophische Essays

Die Q1-Schülerinnen Meyra Ata, Kiara Kolpatzik und Sophie Hemscheidt nahmen letztes Jahr am 18. Bundes- und Landeswettbewerb Philosophischer Essay der Bezirksregierung teil und verfassten allesamt sehr spannende und vielseitige Texte zu den jeweils gewählten Themen. Der Wettbewerb richtete sich an alle Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II und bot diesen die Möglichkeit, aus insgesamt vier philosophischen Fragestellungen zu wählen. Schülerinnen und Schüler, deren Texte von einer Expertenjury in die engere Auswahl genommen wurden, bekamen eine Teilnahmeurkunde und die 26 besten Essayschreiber wurden zur Philosophischen Winterakademie nach Münster eingeladen. Nach dem Hinweis auf den bevorstehenden Wettbewerb meldeten sich die drei Schülerinnen der Q1 freiwillig für die Teilnahme und widmeten sich der Arbeit an ihren jeweiligen Essays sehr enthusiastisch und selbstständig. Ich begleitete derweil die Recherchearbeit und stand für allgemeine Rückfragen zur Verfügung. In dieser Ausgabe des Schulbriefes stellen wir die Essays von Kiara Kolpatzik und Sophie Hemscheidt vor, in der nächsten Ausgabe folgt der Essay von Meyra Ata.
Sophie und Kiara befassten sich mit einem Zitat von Heinrich von Kleist, das aussagt, dass das Wissen uns weder besser noch glücklicher mache. Die beiden versuchten in ihren Texten zu zeigen, dass Wissen nichts anderes als eine Annäherung an das, was wir Wirklichkeit nennen, darstellt, da unser Wahrnehmungsapparat einen direkten Zugang zu dieser verhindert. Wissen und Information sind laut Aussage der Schülerinnen nicht alles und müssen differenzierter betrachtet werden. Sie stellen unter anderem auch die Frage, ob jedes Wissen außerdem eine emotionale Wahrnehmung beinhaltet bzw. nach sich zieht.

Kiara schreibt in ihrem Essay:

„Als Schülerin versuche ich mit meinen eigenen Gedankengängen und […] Texten zu zeigen, dass Wissen uns Menschen zwar Klarheit bringen und eine Erkenntnis zu Grunde legen, jedoch auch eine negativ gewichtete Position oder gar […] Zweifel in unserem Leben zum Vorschein bringen kann. […] Mein Wissen, welches ich während meiner Schulzeit erweitert habe, reicht aus, um für mich die Aussage treffen zu können, dass zwei plus drei gleich fünf sind. Jedoch macht es mich lange noch nicht besser oder glücklicher. […] Der Mensch kann durch seine evolutionäre Entwicklung nicht nur Wissen aufnehmen, sondern auch in eine Erkenntnis oder einen Sinn verwandeln. […] Das Empfinden meiner selbst, nämlich zu spüren, was für mich positive oder negative Auswirkungen hat oder haben wird. […] Das Wissen macht nur einen kleinen Teil unserer Selbstwahrnehmung aus und es sind viele Faktoren wie die Schlussfolgerung und Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung, die Menschen zu einem Ganzen machen und sie zur Erkenntnis führen.“

Sophie schreibt darüber in ihrem Essay:

„Das Wissen wird immer nur Information sein. Informationen sind oft bloß trocken gehaltene Sachverhalte. Mit dem Wissen muss nicht immer zwingend die Wahrheit einhergehen. Zum einen, weil eine Definition einer Wahrheit Radikalisierung bedeutet, zum anderen, weil die Wahrheit von jedem Individuum autonom und individuell gestaltet wird. Wissen erlangt jeder auf verschiedene Weise, so wie es auch jeder anders auf- und wahrnimmt. Selbstverständlich aber müssen wir bei dem Wissen unterscheiden zwischen dem, was wir in der Schule gelehrt, und dem – nennen wir es „Klatsch und Tratsch“ – Wissen, was wir in unserem privaten Leben erzählt bekommen. Doch das Wissen, das einzig und allein dazu dient, etwas sachlich zu erklären, wie zum Beispiel Schulwissen, ist nicht die Quelle des Glücks. […] Weder Wissen noch Erfolg noch Fleiß und noch nicht mal ein schönes Paar Schuhe werden mir am Ende zu Glück verhelfen. Um meinen Seelenfrieden zu finden, muss ich zu allererst bei mir selbst suchen und von diesem Seelenfrieden aus kann ich mich dann schließlich auf die Suche nach meinem ganz eigenen Glück machen. Ein wahrer Glückszustand kommt von innen, er kommt von mir, von keinem Wissen oder Erfolg dieser Welt. […] Wissen kann Freund und Helfer sein, doch es kann nicht die Verantwortung für mich übernehmen, denn das bedeutet es, wenn ich meinen Glückszustand in die Hände von dem Wissen, das ich erlange, gebe, dessen Arme mich, abgesehen davon, festhalten, aber auch genauso gut erdrücken können. […] Ich bin der Ansicht, dass die schönste Form des Wissens die ist, bei der wir es uns freiwillig und aus eigener Kraft aneignen. Also lerne, erfahre, entdecke! […]“

Alle Essays zeigen deutlich, dass die Schülerinnen die jeweiligen Fragestellungen ernst genommen und durchdrungen haben, dass sie über ein ausgeprägtes kritisches Bewusstsein verfügen und einiges zu sagen haben. Sophie bekam für ihre Arbeit auch eine Urkunde und freute sich riesig über die schöne Überraschung. Hoffentlich werden weitere Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II diese Chance wahrnehmen und an zukünftigen Wettbewerben teilnehmen. Ich freue mich jedenfalls darauf!


Wolfram Bange