Lernorte außerhalb der Schule – das Auslandsbetriebspraktikum

Zunehmend nutzen Schülerinnen und Schüler der EF die interessanten Möglichkeiten, die ihnen das zweiwöchige Betriebspraktikum bieten: Sie absolvieren dieses Praktikum nicht in Velbert, sondern in einer anderen Stadt oder sogar im Ausland oder sie bewerben sich um außergewöhnliche Praktikumsplätze, die ihnen einmalige Erfahrungen ermöglichen.
Als Europaschule und in Hinblick auf eine immer enger zusammenwachsende Welt wollen wir unseren Schülerinnen und Schülern Einblicke in die internationale Arbeitswelt im Rahmen des Berufspraktikums in der Einführungsphase ermöglichen. Zum einen kann die Schule jedes Jahr einige Praktikumsplätze anbieten (z.B. in einem Kindergarten in England). Zum anderen werden die Schülerinnen und Schüler im Rahmen von Informationsveranstaltungen ermutigt, selbständig Praktikumsplätze im Ausland mit Hilfe von privaten Kontakten zu finden. Unterstützung erhalten die Jugendlichen auch von Mitschülern, die bereits einmal ein solches Auslandspraktikum erfolgreich absolviert haben. Mithilfe von Förderung durch die Klaus-Höchstetter-Stiftung kann die Schule die Schülerinnen und Schüler finanziell bei ihrem europäischen Auslandspraktikum unterstützen. Bildschirmfoto 2014-11-03 um 15.05.13
Während dieser Praktika können die Schülerinnen und Schüler nicht nur ihre fremdsprachlichen Kompetenzen anwenden und erweitern, sondern auch ihr Selbstbewusstsein sowie ihre interkulturellen Kenntnisse werden durch diesen Auslandsaufenthalt deutlich weiterentwickelt.
In diesem Schuljahr absolvierten einige Schülerinnen und Schüler ihr Betriebspraktikum im Ausland, z.B. an einer Schule im kanadischen Ontario und in einem Kindergarten in Walton-on-the-Naze in England. Valerie engagierte sich in einem Roma-Dorf in Rumänien und Nils weilte im fernen Costa Rica und sammelte unvergessliche Erfahrungen in einer Kaffee-Export-Firma. Einige von ihnen schildern ihre Eindrücke oder ziehen ein Fazit ihres außergewöhnlichen Praktikums:

Ich wollte nach Rumänien gehen, da Rumänien ein Land ist, in dem es viel stärkere, schlimmere und grundsätzlichere Probleme gibt als hier in Deutschland (…). Ich bin mir auch sicher, dass für mich das Ausland keine Grenze ist, obwohl ich kein Ungarisch spreche (…). Vor allem habe ich einfach alles ausprobiert. Und ich habe damit nicht eine schlechte Erfahrung gemacht.


Valerie

Ich wollte nicht irgendetwas machen, sondern meine Interessen möglichst mit einbauen. Der Platz im Ausland bot mir die Möglichkeit, meine Sprachkenntnisse anzuwenden und zu verbessern (…). Ich habe in den zwei Wochen viele neue Erfahrungen gesammelt und sehr viel gelernt (…). Jetzt bin ich auf die spätere Berufswelt vorbereitet und weiß, was auf mich zukommen wird. Es ist nicht alles einfach und man muss hart arbeiten, um etwas im Leben zu erreichen.


Nils

Erfahrungsberichte

Kerstin Janotta (EF)
Betriebspraktikum in einem Kindergarten in England

Die Zeit des Praktikums in einem Kindergarten zu verbringen, ist für viele Schülerinnen und manchmal auch für Schüler faszinierend, die in ihrem Berufsleben einmal mit Kindern arbeiten möchten. Auch Kerstin Janotta aus der EF entschied sich dafür, zwei Wochen lang mit quirligen Kindern zu spielen, draußen mit ihnen zu toben und sie mittags in den Schlaf zu singen, aber nicht etwa vor Ort in Velbert, sondern in England.
Die Idee, ihr Praktikum im Ausland zu absolvieren, wurde von Frau Gutzler unterstützt. Sie stellte die Kontakte zu Kerstins Gastfamilie her und organisierte einen Praktikumsplatz im Kindergarten in dem kleinen Ort Walton-on-the-Naze nahe Frinton.
„Ein Kindergarten in England unterscheidet sich kaum von einem in Deutschland“, berichtet Kerstin, „ich habe in mehreren Gruppen mit altersunterschiedlichen Kindern gearbeitet und das hat sehr viel Spaß gemacht. Selbstverständlich habe ich mit den Kindern ausschließlich auf Englisch gesprochen und das ging richtig gut“, versichert Kerstin. „Ich fühle mich beim Sprechen noch sicherer als vorher und denke, dass ich auch für den Englischunterricht von meiner Zeit in England profitieren werde“, ist Kerstin überzeugt.
Ihre Freizeit hat Kerstin mit ihrer Gastfamilie verbracht und natürlich war sie auch in London zum Sightseeing und zum Shoppen. Sie möchte später noch einmal für eine Weile ins Ausland gehen. „Man muss sich zwar auf Ungewohntes und Unbekanntes einlassen, aber das lohnt sich auch“, sagt Kerstin und sie kann allen Schülerinnen und Schülern aus den nächsten Jahrgängen ein solches Auslandspraktikum nur empfehlen.

Muriel Liebergall (Stufe 11)

Ein Praktikum in Irland, das macht sich nicht nur gut im Lebenslauf, das ist auch sehr ungewöhnlich und faszinierend. Muriel Liebergall, Schülerin der Stufe 11, legte 940 Kilometer zurück und machte ihr Betriebspraktikum in Irland, auf der grünen Insel. Sie arbeitete zwei Wochen in einer Kaffeerösterei. Die Schülerinnen und Schüler besuchten wohnortnahe Betriebe – bis auf Muriel Liebergall. Sie suchte das Abenteuer und flog vier Stunden nach Irland, um ihr Praktikum in einem fremden Land anzutreten. Dass sie ausgerechnet in eine Kaffeerösterei hineinschnuppern wollte, ist nicht unbedingt verwunderlich. Sie ist die Tochter von Uwe Liebergall, dem Inhaber des Café Kaisers in Velbert. Zusätzlich ist Muriel ein abenteuerlustiges und aufgewecktes Mädchen, das die englische Sprache liebt und an unserer Schule das bilinguale Abitur anstrebt. Sie wohnte in Irland in einem kleinen Hotel, direkt in der Innenstadt von Dublin. Täglich arbeitete sie von 8.40 bis 17 Uhr in der Kaffeerösterei mit angeschlossenem Café namens „Java Republic“. Dieses beliefert unter anderem auch größere Hotels und Krankenhäuser mit Kaffee und Tee. Das Abenteuer in Irland bestritt sie, weil sie „eine Herausforderung haben wollte“ und Kaffee sie interessiert. „Den Gebrauch der Sprache damit zu verbinden und auf mich allein gestellt zu sein, machte die Sache erst interessant“, so Muriel. „Ich habe einen Wochenplan bekommen und mir wurden Einblicke in das ganze Businessleben gegeben, das heißt, mir wurde alles gezeigt, vom hereinkommenden Auftrag über die Produktion bis hin zur Auslieferung“, beschrieb Muriel ihre Tätigkeit in dem Unternehmen. Einen „typischen Tag“ gab es für die 16-Jährige gar nicht, denn sie machte jeden Tag etwas anderes. Jeder Tag sei etwas Besonderes gewesen. Außerdem kam Muriel alleine, so weit weg von Zuhause, ausgesprochen gut klar. „Die Leute waren alle super nett und ich meine nicht nur die Leute aus der Firma. Man brauchte nur mit einem Stadtplan durch die Gegend laufen und man wurde direkt von drei Leuten gefragt, ob sie einem helfen können. Das war mit das Beste hier: Die Offenheit und Freundlichkeit Fremden gegenüber!“ Natürlich hatte sie auch Bedenken vor der Reise, aber diese seien nach ein paar Tagen komplett verschwunden und sie fühlte sich wohl in Irland. Freizeit gab es dort aber eher wenig. Muriel kam abends ins Hotel, wenn es schon dunkel war. Das Wochenende verbrachte sie dann aber doch mit ein wenig „Sightseeing“. „Ein Vorstandsmitglied des Unternehmens hat mir einige schöne Stellen gezeigt. Wir haben einen Trip an der Küste entlang gemacht und ein historisches Museum besucht.“ Die Reise hat sich für sie sehr gelohnt, denn sie sagte: „Ich habe eine ganz neue Lebensweise kennen gelernt und einen anderen Umgang miteinander. Ich denke auch, dass es meinem Englisch genutzt hat. Und überhaupt, die Erfahrung zu machen, auf sich allein gestellt zu sein, war es wert, das Praktikum so weit entfernt zu absolvieren.“ Muriel lehnte den Gedanken, später einmal in die Fußstapfen des Vaters zu treten, nach diesem Praktikum nicht ab. „Es ist ein interessantes und abwechslungsreiches Business, für das ich mich interessiere.“ Das zweiwöchige Betriebspraktikum in Irland war ein eigenständiger Wunsch von Muriel: „Meine Eltern haben mich lediglich in meinem Wunsch unterstützt und mir eine Chance ermöglicht.“

Muriel Liebergall (Stufe 11)